Wenn wir jemanden lange genug kennen, wissen wir, wie er sich verhält und was er in bestimmten Situationen denkt oder fühlt. Wir können erraten, was er wählt oder welche Automarke er bevorzugt. Ein Computeralgorithmus funktioniert nach demselben Prinzip, diagnostiziert aber viel besser und gründlicher als der Mensch.

In dem Film „Her“ verliebt sich der berühmte Schriftsteller Theodore Twombly in ein neu gekauftes Betriebssystem. Die virtuelle Samantha hat eine angenehme Frauenstimme und kennt seine Vorlieben bestens. Wird so schon bald unser Leben aussehen? Hat dann jeder von uns im Mobiltelefon oder einem anderen Gerät so eine „Person“, die seine geheimsten Wünsche kennt und erfüllt?
Michał Kosiński: Das ist schon heute der Fall! Nehmen wir Facebook mit seinen fast zwei Milliarden Anwendern. Der durchschnittliche Nutzer des Portals verbringt täglich 40 Minuten damit, Artikel zu lesen, Bilder zu betrachten oder über diese Plattform mit Freunden zu kommunizieren. Was er auf seinem Bildschirm zu sehen bekommt, wird ja von künstlicher Intelligenz ausgesucht, die unser Verhalten und unsere Vorlieben eingehend erforscht und demgemäß unsere Facebook-Wirklichkeit zurichtet.

Michał Kosiński

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Stanford Graduate School of Business. Davor war er am dortigen Institut für Informatik tätig und zudem stellvertretender Direktor des Zentrums für Psychometrie an der Cambridge University. Er leitet das Forschungsvorhaben myPersonality, bei dem 150 Wissenschaftler aus aller Welt die Profile von acht Millionen Facebook-Nutzern untersuchen.

Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe von Psychologie und Leben. Erhältlich an allen Punkten des Bahnhofs- und Flughafenbuchhandels sowie bei vielen weiteren Zeitschriftenhändlern.

Nach Erscheinen des Magazins können Sie hier eine Filiale in Ihrer Nähe finden.