Gehören unsere Gedanken noch uns?
Bereits jetzt können Geräte einzelne Gedanken aus unseren Gehirnen auslesen. ALS-Kranke zum Beispiel können mit solchen Apparaten kommunizieren. Aber werden diese Geräte irgendwann mehr über unsere wahren Gedanken und Träume wissen als unsere engsten Freunde oder gar wir selbst?

TEXT Dariusz Zapała

Es war der 12. Juni 2014, als Juliano Pinto auf den Rasen des ausverkauften Maracanã-Stadions in São Paulo gefahren kam, der Tag der Eröffnungsfeier der Fußballweltmeisterschaft. Pinto ist von der Körpermitte abwärts gelähmt, doch plötzlich stand er aus seinem Rollstuhl auf und versetzte dem Ball den ersten Fußtritt dieser Weltmeisterschaft. Doch es waren nicht die Muskeln seiner Beine, die den Fußball in Bewegung brachten; der Nervenimpuls konnte die einst beschädigten Rückenmarksnerven nicht erreichen. Stattdessen wurde der Gedanke an die Bewegungsabsicht direkt aus der motorischen Rinde (dem Motocortex) des jungen Mannes an die Motoren eines mechanischen Exoskeletts übertragen, das seinen gelähmten Körper bewegte.
Für viele war dieser Moment ebenso berührend wie beängstigend. Zeigte er doch einerseits, wie kurz wir davor stehen, Millionen Gelähmten eine Hoffnung zu geben, ihre Beweglichkeit wiederzuerlangen. Andererseits müssen wir uns fragen, was uns dann davon abhielte, mithilfe desselben oder eines ähnlichen Mechanismus die Absichten und Gedanken anderer zu lesen, sogar gegen deren Willen.

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