Der Klimawandel bedroht uns alle – Zeit also zu handeln. Unternehmen und Gemeinden lehren, was Menschen zu Hause nachahmen können. Denn am Ende ist Klimaschutz auch eine Sache von Gewohnheit – und psychologischer Raffinesse

TEXT Kirsten Weir
illustrationen Ada Wręga

Hinter uns liegen die drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das ist kein Zufall. Siebzehn der achtzehn heißesten Jahre waren nach 2000 zu verzeichnen, und es gibt keinen Anhaltspunkt für eine Umkehr der Tendenz.
Es sei nicht übertrieben, den Klimawandel die Umweltkrise unseres Zeitalters zu nennen, und doch sei es verfehlt, ihn als Umweltproblem zu bezeichnen, meint Elise Amel, Professorin für Industrie- und Betriebspsychologie sowie Umweltschutzpsychologie an der St. Thomas University in St. Paul, Minnesota. Schließlich ist nicht die Umwelt die Ursache des Problems, sondern wir.
Auch wenn Klimawandelleugner immer noch etwas anderes behaupten: Forscher kommen fast einhellig zu dem Schluss, dass die menschengemachten Emissionen von Treibhausgasen die Hauptschuld tragen. „Die Ursache für die meisten derzeitigen Umweltkrisen einschließlich des Klimawandels liegt im menschlichen Verhalten“, so Amel. „Psychologen können diese Situation sehr gut analysieren und unser Wissen anwenden.“
Eine Veränderung des Umweltverhaltens hat beängstigende Hindernisse zu überwinden. Die meisten Menschen in der modernen Gesellschaft haben keinen Bezug zur Natur. Der Klimawandel vollzieht sich weltweit und langfristig, was es den Menschen erschwert, ihr persönliches Verhalten von heute zu den Umweltfolgen von morgen in Beziehung zu setzen.
„Unsere Kreisläufe funktionieren so lückenlos, dass wir nicht wissen, wo etwas herkommt oder wo etwas bleibt“, erklärt Amel. „Die Rückkopplung liegt so fern, dass es fast unmöglich ist, die richtige Wahl zu treffen. Das macht den Klimawandel so vertrackt.“
Obwohl es auf die Wahl jedes Einzelnen ankommt, gestehen die meisten Fachleute ein, dass ein Problem vom Ausmaß des Klimawandels nur durch Denken im größeren Maßstab zu lösen sein wird. Psychologen arbeiten an vorderster Front mit, um das Verhalten in Unternehmen, Organisationen und Regierungen zu ändern, damit der Energieverbrauch zurückgeht und die Erwärmung verlangsamt
wird.

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