Am Smartphone verhalten sich viele Menschen, als gäbe es nichts anderes auf der Welt. Sie springen von App zu App und vergeuden so mehrere Stunden täglich. Catherine Price erklärt, warum es uns so schwerfällt, das Smartphone wegzulegen – und wie wir es trotzdem schaffen.

Seit ich Ihr Buch Endlich abschalten gelesen habe, beobachte ich mein Telefonverhalten genauer. Ich habe mein Smartphone fast immer bei mir und schaue öfter darauf als nötig. Wie kann ich mich von diesem Zwang befreien, ohne das Telefon in den Müll zu schmeißen?
Catherine Price: Das Smartphone wegzuwerfen, ist überhaupt nicht nötig. Mit „Abschalten“ meine ich, dass man Raum schaffen sollte für eine neue, gesündere Beziehung zum Telefon – damit es zum Freund wird, der uns unterstützt, und nicht zur Obsession. Es geht nicht darum, weniger Zeit für das Smartphone, sondern darum, mehr Zeit zum Leben zu haben.

Was gab den Anstoß für dieses Buch?
Aus zwei Gründen habe ich begonnen, mir die Smartphone-Abhängigkeit genauer anzusehen: Erstens, weil mich ein Bericht von der American Psychological Association (Amerikanische Gesellschaft für Psychologie) aus dem vergangenen Jahr überrascht hat. Demnach wissen zwar die meisten amerikanischen Erwachsenen, dass ein „Digital Detox“ gut für ihre psychische Gesundheit wäre, tun aber dennoch nichts in dieser Richtung. Zweitens hat mein Interesse auch persönliche Gründe. Ich arbeite seit vielen Jahren als Journalistin zu Gesundheits- und populärwissenschaftlichen Themen. Meine Arbeit erfordert Disziplin und Konzentration, und ich hatte festgestellt, dass es mir immer schwerer fiel, mich zu konzentrieren; mein Gedächtnis wurde schlechter. Mir fiel auf, dass die Ursache dafür mein Smartphone war, griff ich doch dauernd danach, um „mal eben was zu checken“. Dieser „Check“ nahm dann eine geschlagene Stunde in Anspruch. Statt mich mit Freunden zu treffen, schrieben wir SMS, und wenn wir uns trafen, schielte doch jeder nur auf sein Phone. Am deutlichsten aber spürte ich, was mir entging, als ich mehrere Male bemerkte, dass mein Kind mich ansah, während ich aufs Display starrte. Ich will nicht, dass mein Kind denkt, so sähen normale zwischenmenschliche Beziehungen aus.

Catherine Price
ist Schriftstellerin und Wissenschaftsjournalistin. Ihre Artikel und Essays erschienen bereits u. a. in New York Times, Los Angeles Times, Washington Post Magazine und Health. Sie ist die Verfasserin des Buches Endlich abschalten: Warum Urlaub vom Smartphone uns Zeit, Glück und Liebe schenkt. Deutsch von Anja Malich, Birgit Pfaffinger, Rowohlt Verlag 2018.

Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe von Psychologie und Leben. Erhältlich an allen Punkten des Bahnhofs- und Flughafenbuchhandels sowie bei vielen weiteren Zeitschriftenhändlern.

Nach Erscheinen des Magazins können Sie hier eine Filiale in Ihrer Nähe finden.