Selbst wenn wir unsere Privatsphäre schützen und soziale Netzwerke meiden würden: Wir geben überall unsere Daten weiter, selbst dort, wo wir es nicht ahnen. Was auch immer wir im Internet tun, es sollte wohlüberlegt sein, sagt deshalb Sicherheitsexperte Chris Pinchen

Als ich meinen Bekannten erzählte, dass ich ein Interview zum Internet der Dinge führen würde, fragten sie erstaunt: „Damit kennst du dich aus?“ Dabei haben wir doch alle mit „smarten“ Gegenständen zu tun. Begegnet Ihnen die Einstellung öfter, dass Sicherheit im Internet ein Thema nur für Computerfreaks sei?
CHRIS PINCHEN: Für viele scheint der Schutz der Privatsphäre im Internet eine Frage zu sein, die nur eingefleischte IT-Spezialisten etwas angeht. Sie sagen: „Ich kenne mich nicht aus, das geht mich nichts an.“ Sie täuschen sich. Es geht uns alle an! Deswegen ist es so wichtig, die Menschen darüber aufzuklären.
Wir bieten in Luxemburg kostenlose Workshops dazu an, wie man seine Privatsphäre im Netz schützt. Die Teilnehmerzahlen steigen, das entsprechende Problembewusstsein hat anscheinend in den letzten Jahren zugenommen.

Zum Glück.
Früher haben wir bewusst die Entscheidung getroffen, ins Netz zu gehen. Jetzt sind wir, ob gewollt oder nicht, ständig online: In Geschäften sind wir von Kameras umgeben, überall ist WLAN. Jedes Telefon hat eine eigene Nummer, die niemand ändern darf, das heißt, wenn Sie einen Supermarkt betreten, verfolgen die Marketingprofis genau Ihren Weg. Dasselbe passiert auf den Flughäfen. Am Flughafen Schiphol in Amsterdam werden Reisende mit dem Hinweis begrüßt, dass sie durch ihr Smartphone für das Flughafenpersonal „sichtbar“ sind. Um derlei Verfolgung zu vermeiden, müssten wir unsere Telefone zu Hause lassen. So machen es im übrigen Terroristen: Sie lassen ihre Telefone in einem Land zurück und fahren in ein anderes. Die Behörden orten weiterhin ihre Telefone, und sie haben schon längst die Landesgrenze überschritten.

Chris Pinchen
ist Spezialist für Datensicherheit, Technologiesicherheit und Datenschutz. Die von ihm gegründete Privacy Agency befasst sich mit der Überwachung im Netz und analysiert die Einhaltung von Bürgerrechten durch Webdomains. Er berät Organisationen, Firmen und Privatpersonen zum Datenschutz im Internet und propagiert Fragen der Zensur und der Privatsphäre im Netz. Er lebt und arbeitet in Luxemburg.

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